Verschenktexte – 4. Teil

Nicht nur zur Weihnachtszeit

Einen Wunschzettel
der eigenen Seele
erstellen

– und diese Wünsche
dann Stück für Stück
erfüllen.

Trotz alledem

Von Zeit zu Zeit
bade ich in funkelnden
Fontänen der Lebensfreude.
Was bleibt
für die,
die mir mit
Arroganz und Dummheit,
Besserwisserei und Kleinkrämerseele
das Leben erschweren wollen,
ist ein cooles Lächeln.

Was man so sagt

Als sie lachte,
sagte man ihr, sie sei kindisch.
Also machte sie fortan ein ernstes Gesicht.
Das Kind in ihr blieb,
aber es durfte nicht mehr lachen.

Als sie liebte,
sagte man ihr, sie sei zu romantisch.
Also lernte sie, sich realistischer zu zeigen.
Und verdrängte so manche Liebe.

Als sie reden wollte,
sagte man ihr, darüber spreche man nicht.
Also lernte sie zu schweigen.
Die Fragen, die in ihr brannten,
blieben ohne Antwort.

Als sie weinte,
sagte man ihr, sie sei einfach zu weich.
Also lernte sie die Tränen zu unterdrücken.
Sie weinte zwar nicht mehr,
doch hart wurde sie nicht.

Als sie schrie,
sagte man ihr, sie sei hysterisch.
Also lernte sie, nur noch zu schreien,
wenn niemand es hören konnte,
oder sie schrie lautlos in sich hinein.

Als sie zu trinken begann,
sagte man ihr, das löse ihre Probleme nicht.
Sie solle eine Entziehungskur machen.
Es war ihr egal, weil ihr
schon so viel entzogen worden war.

Als sie wieder draußen war,
sagte man, sie könne jetzt von vorn anfangen.
Also tat sie, als begänne sie ein neues Leben.
Aber wirklich leben konnte sie nicht mehr,
sie hatte es verlernt.

Als sie ein Jahr später
sich versteckt zu Tode gefixt hatte,
sagte man gar nichts mehr.
Und jeder für sich versuchte,
leise das Unbehagen mit den Blumen
ins Grab zu werfen.

Widerstand oder
Erfahrung beim Erwachsenwerden

Man fordert mich auf,
Stellung zu beziehen.
Man will die Parole wissen,
damit man mich einordnen kann,
ablegen im Regal, wo schon so viele liegen.

Aber es ist noch so viel in mir;
ich fühle mich nicht bereit,
abgelegt zu werden.
Ihr habt den Erledigt-Stempel
zu früh in die Farbe getaucht.
Noch bin ich es nicht!

Schlagartig
verloren viele Dinge,
die uns verbanden,
die ich gerne mit dir teilte
und die mich faszinierten,
ihre Bedeutung,
nachdem mir klar wurde,
daß du gar nicht so bist,
wie du dich präsentierst.

Und doch lebt einiges weiter in mir
– unabhängig von dir und der Enttäuschung.

Dafür wenigstens
sollte ich danke sagen.

Freundschaftsangebot

Nimm mir nicht den Mut –
nimm mir die Angst.

Nimm mich ruhig auseinander –
doch halte mich auch zusammen.

Nimm mich ganz für dich –
aber laß mich auch wieder gehen.

Nimm mich als mich –
nicht als das,
was du willst.

Wieder einmal Grenzen

Wir haben uns lange
nicht gesehen,
und ich will dich
in die Arme nehmen,
dich spüren, ausdrücken,
was ich empfinde …

… aber zwischen uns
spüre ich Stacheldraht aus
Wenns und Abers und
lauter angeblichen Unmöglichkeiten.

Ich umarme dich nicht.

Liebe

…voneinander
gefesselt sein
und doch
keine Ketten
anlegen.

Kompliment,
du bist nicht perfekt,
aber du bist
perfekt du selbst.

Das macht dich
so liebenswert
und wertvoll
für mich.

Liebevolle Gedanken an Dich

In deinen Armen liegen
und wissen,
nicht bleiben zu können.

In deinen Augen versinken
und wissen,
wieder auftauchen zu müssen.

In deiner Nähe ertrinken
und wissen,
doch nicht daran zu sterben.

Sich dir öffnen können
und wissen,
nicht ausgeraubt zu werden.

Das mag wohl Liebe sein.

Definitionssache

Wenn wir einander
verstehen, umarmen,
zusammen lachen und
traurig sind,

wenn wir unsere Nähe
als wohltuend empfinden
und manchmal den
Weg auseinander
nicht gerne gehen …

Du
und ich …
was ist das?

Liebe darf es nicht sein,
da wir offiziell
anderweitig verliebt
zu sein haben.

Farbe will ich,

nicht Schwarzweiss

Farbe im Denken.
Farbe in der Seele.
Farbe im Gefühl.
Farbe in der Liebe.

Farbiges Leben!

Gedanken zum täglichen Kleinkrieg

Ist es Naivität
oder Zynismus,
was die meisten Menschen
es fertig bringen läßt,
aus Berührungspunkten
immer wieder Reibungsflächen
zu machen?

Ich sah nie

Ich sah nie einen zweifelnden Berg,
nie eine unsichere Rose,
keinen fanatischen Stein,
nie depressive Wolken,
keinen durchgestylten Himmel.

Nie begegnete mir ausgebranntes Feuer,
noch traf ich verlogenes Wasser.

All diese Adjektive
Tragen wir Menschen allein
– als fraglichen Schmuck.

Bildnis so vieler Ehen

Nebeneinanderher,
Verdrängung, Schuld,
Ausreden, Ausbrüche,
Kitten, Vorsätze,
tägliches Einerlei.

Es muss eines der
schwersten Dinge sein,
diese Unliebe zu leben.

»Fundsache«

Ich wollte
keine
neue Liebe.

Doch als wir
uns begegneten,
war »wollen«
bedeutungslos.

Ausradiert?

Ich habe eben deine Telefonnummer
aus meinem Notizbuch radiert.
Jetzt suche ich
im Branchenfernsprechbuch
nach jemandem,
der Radiergummis anbietet,
mit denen man Gefühle ausradieren kann.

Über die Liebe

Wir bräuchten wenig,
wenn wir Liebe hätten.
Nicht die Liebe,
die wir mit Ringen
und roten Rosen auszudrücken meinen.
Nein, Liebe,die sich überträgt,
ohne Worte, wie ein Lächeln im Wind.

In deiner Hand

Du streichelst mein Haar.
Ich spüre deine Hand
und in mir
wird ein Gefühl stark:

Mich ganz einkuscheln
in diese Hand,
darin liegen und geborgen sein,
ohne Angst,
du könntest sie
zu fest zusammen drücken
oder zum Wegwerfen öffnen.

Erwartungen

Was andere von dir erwarten,
solltest du nur dann erfüllen,
wenn du es willst.
Schließlich bist du kein Automat,
der mitleidet,
drückt man die Taste „Mitleid“ –
der zuhört,
drückt man die Taste „Zuhören“ –
der lustig ist,
drückt man die Taste „Lustig“ –
der stille ist,
drückt man die Taste „Ruhe“
und so weiter…
Begegnest du solchen
Tastendrückern,
lass ruhig mal
TILT – GESTÖRT
aufleuchten.