Gesetz Nr. 4
Jedes Paar profitiert von einem unbewussten Zusammenspiel.

Es wäre zu einfach, sich selbst immer nur als Opfer zu sehen und jede Schuld für Streitereien dem Partner in die Schuhe zu schieben. Es ist nicht immer nur einer der Schuldige. Jedes Paar profitiert von einem unbewussten Zusammenspiel

Zum Tangotanzen gehören immer zwei. Jeder Schritt, jede Bewegung, jedes Verhalten des einen Partners wirkt sich auf den anderen aus. Zwei, die sich lieben, sind wie mit unsichtbaren Schnüren aneinander gebunden. Sie leben miteinander in einem unbewussten Zusammenspiel, und das bedeutet im Grunde, dass auch bei einem Konflikt beide ihren Anteil haben. Dass niemals nur einer der Täter, der Schuft, das Scheusal, der Schuldige ist. Und niemals der andere allein das Opfer, der ‚Gute‘ oder derjenige, der Recht hat. Ein Paar ist mehr als ein Partner und noch ein Partner.

Denn beide gehen unbewusst einen Vertrag ein, in dem jeder stellvertretend für den anderen Rollen und Verhaltensweisen übernimmt, mit denen der Partner Schwierigkeiten hat. Eine perfekte, wenn auch unbewusste Arbeitsteilung.

Da Partner ihr unbewusstes Zusammenspiel oft nicht verstehen, machen sie sich einander irgendwann Vorwürfe. Oberflächlich sieht es ja häufig so aus, als ob einer der Partner die Bedürfnisse des anderen ignoriere, als ob einer das Problem sei, unter dem der andere leide. Aber tatsächlich leiden und profitieren beide. Seine Untreue kann zum Beispiel verhindern helfen, dass sie fremdgeht. Sie ist unselbständig, unternimmt nichts ohne ihn – das schützt wiederum ihn möglicherweise vor seinen Trennungsängsten. Und seine vielen Überstunden im Büro können sie davor bewahren, ihre Angst vor Nähe erleben zu müssen. Die Einsicht, dass in jedem Paarkonflikt beide ihre Anteile und unbewussten Vorteile haben, ist vielleicht der wichtigste Schritt, um sich von gegenseitigen fruchtlosen Vorwürfen zu (er-)lösen.

Übungen:

  1. Denken Sie an einen typischen Konflikt zwischen Ihnen und Ihrem Partner, bei dem Sie davon überzeugt sind, dass Ihr Partner Sie schlecht behandelt, und Sie sich als Opfer fühlen. Betrachten Sie den Konflikt wie eine unbeteiligte außenstehende Person, fragen Sie sich:
    • Was ist der Vorteil, den ich durch diesen Konflikt habe?
    • Wie müsste ich mich verhalten, wenn es anders wäre? (Was vermeide ich dadurch?)
    • Was wäre vielleicht schwieriger für mich?
    • Wenn ich die Veränderung, die ich mir wünsche, erreicht hätte, was wäre dann? Welches Problem würde sich dann auftun?
  2. Werden Sie sich über die Rollenverteilung in Ihrer Beziehung klar:
    Wer ist eher aktiv, wer eher passiv? Wer dominant, wer nachgiebig? Wer ist fürsorglich, wer hilfsbedürftig? Wer ist stark, wer anlehnungsbedürftig? Wer ist diszipliniert, wer verspielt? Wer ist optimistisch, wer pessimistisch?
    Falls Ihnen das schwer fällt, fragen Sie Freunde und Bekannte, wie sie die Rollenverteilung in Ihrer Beziehung wahrnehmen.
    Wenn Sie sich über die Rollenverteilung einig sind, fragen Sie sich, wie Sie sich jeweils in der Rolle des Partners fühlen würden. Fantasieren Sie darüber, wie ein Rollentausch ihre Beziehung verändern würde. Und was für Sie an der anderen Rolle problematisch wäre.