Die Frau in Athen
Die klassische Antike, bis zum heutigen Tag als „Sternstunde der Menschheit“ gefeiert, bedeutete gleichzeitig die endgültige Niederlage der Frau, die mit allen Mitteln bekräftigt und zementiert werden musste.
Obwohl Frauen es auch sicherlich damals verstanden haben, sich durch persönlichen Einfluss und günstige Umstände gewisse Freiräume zu sichern, so zeigen doch Beispiele in Literatur, Kunst und Philosophie vor allem eines: den geradezu pathologischen Frauenhass des griechischen Mannes, der an Gehässigkeit und Aggressivität vielfach sogar jenen des asketischen Christentums übertrifft.
Homer: „Nichts ist scheußlicher doch, nichts unverschämter auf Erden als das Weib.“
Aristoteles: „Die Frau ist Frau durch das Fehlen männlicher Eigenschaften. Wir müssen das Wesen der Frau als etwas betrachten, was an einer natürlichen Unvollkommenheit leidet.“
Diogenes beim Anblick einer erhängten Frau auf einem Ölbaum: „Mögen doch alle Bäume solche Früchte tragen.“
Hipponax aus Ephesos: „Es gibt nur zwei Tage, an denen du Freude an deiner Frau hast, am Hochzeitstag und an ihrem Begräbnis.“
Auch so berühmte Schriftsteller und Philosophen wie Aristophanes, Euripides, Thales, Sokrates und Platon haben sich durch frauenverachtende Bemerkungen ausgezeichnet.
Die Frau soll fleißig und sparsam sein, das Vermögen ihres Gatten vermehren und ihm gesunde Kinder gebären. Dies war das Idealbild der griechischen Ehefrau. Liebe hingegen galt vornehmlich dem gleichgeschlechtlichen Partner oder der Hetäre, die mit Schönheit und Klugheit die abgearbeitete, durch Geburten geschwächte und geringer gebildete Ehefrau zu ergänzen hatte.
Aber nicht nur Literatur und Philosophie, auch die bildende Kunst ist von Frauenfeindlichkeit geprägt. Während Frauen in der archaischen, frühklassischen Epoche generell stark verhüllt dargestellt wurden, signalisieren sie später, als auch die Frau ihren unbekleideten Körper zeigen durfte, durch ihre asymmetrische Haltung Minderwertigkeit. Vollendet war lediglich der symmetrisch und aufrecht dargestellte Mann. Gleichzeitig jedoch verraten diese nackten erotische Sinnlichkeit ausstrahlenden Frauenkörper einiges vom Dilemma des griechisch-patriarchalischen Mannes, der damit sein Begehren und seine Verachtung zugleich zum Ausdruck brachte. Ein Widerspruch, der lediglich durch die gleichgeschlechtliche Liebe gelöst werden konnte. Deshalb sind auch die schönsten griechischen Liebesgedichte an junge Männer gerichtet.
Griechische Frauen alterten schnell durch harte Arbeit und viele Geburten. Darum mussten sie auch relativ früh verheiratet werden (zwischen dem 14. Und 18. Lebensjahr). Den Bräutigam bestimmten die Eltern. Das Mädchen ging von der Vormundschaft des Vaters in die des Ehegatten über. Im klassischen Athen musste die jugendliche Braut vor dem Hochzeitstag ihr Kinderspielzeug verbrennen. Von einem Tag zum anderen war aus dem Kinde die Kindfrau geworden, die dann in der Hochzeitsnacht von ihrem Gatten vergewaltigt wurde. Laute Gesänge der Hochzeitsgäste vor dem Brautgemach sollten die Schreie der Jungfrau übertönen. Es kann angenommen werden, dass dieses, für ein halbes Kind sicherlich traumatisches Ereignis für den bereits erwachsenen Mann mit entsprechender Erfahrung eher peinlich war. Die Ehe galt als notwendiges Übel und der Geschlechtsverkehr mit der Angetrauten meist als Pflicht zur Zeugung legitimer Kinder.
Der Ehemann hatte für die Befriedigung seiner sexuellen Wünsche die Hetäre, eventuelle Nebenfrauen und natürlich auch die Haussklavin, die jederzeit zur Verfügung stehen musste, abgesehen von den schönen Knaben, die es sich zur Ehre gereichen ließen, von einem angesehenen Athener Bürger geliebt zu werden. Dass die Ehefrau im Falle eines Ehebruchs des Gatten nicht einmal das Recht hatte, sich zu beschweren, versteht sich von selbst. Umgekehrt jedoch konnte der Ehebruch der Frau mit dem Tod bestraft werden. Erwies sich der Ehegatte als großzügig und lehnte es ab, entweder sie, ihren Liebhaber oder aber gleich beide umzubringen, so war er doch gesetzlich verpflichtet, sich von seiner Ehefrau zu trennen. Sie wurde aus der Gesellschaft ausgestoßen und eine zweite Heirat wurde ihr untersagt, weshalb ihr meist auch nur der Weg in die Prostitution oder Bettelei blieb. Auch eine Scheidung konnte vom Gatten leicht durchgeführt werden. Er musste nur 3 Worte sagen, wenn er sich schlecht behandelt fühlte: „Ich verstoße dich!“- damit war die Angelegenheit erledigt und die Frau kehrte ins Haus ihres Vaters zurück. Dass sie dabei auch ihre Mitgift mitnehmen konnte, dürfte so manchen Ehemann bewogen haben, sich die Sache doch zu überlegen.
Frauen hatten von der Öffentlichkeit unsichtbar zusein. Verließ die vornehme Athenerin ihr Haus – was eher selten und vornehmlich zu religiösen Festen und Begräbnissen geduldet wurde – hatte sie verschleiert und einfach gekleidet zu sein.
Die Frauengemächer (Gyneikonitis), die meist im hinteren Teil des Hauses lagen, waren verschlossen, mit Wachs versiegelt und häufig von innen nicht zu öffnen. Selbst die Einkäufe auf dem Markt besorgte der Ehemann in Begleitung eines Sklaven. Da hatten es die Frauen der untersten Schichten in mancher Hinsicht besser. Sie konnten als Marktfrauen, Wollbereiterinnen oder gar als Hebammen am gesellschaftlichen Leben besser teilnehmen und dadurch ihren Gesichtskreis erweitern.
Die Hetäre
So wenig uns die Quellen über die Ehefrau verraten, umso reichhaltiger sind die Beschreibungen der Hetäre, der „Gefährtin“, der „Gespielin“, der „Geliebten“. Wahrscheinlich war es diese relative Freiheit, die sich manche Hetären durch Schönheit, Klugheit und Geschick erwerben konnten, die den Griechen, der seine eigene Frau geknebelt und unter Verschluss hielt, so faszinierte.
Es gab berühmte Hetären, die im vaterrechtlichen Athen durch den Verkauf ihres Körpers zu Ansehen und Geld gelangten. Eine der berühmtesten Hetären, die Athenerin Thais, wurde 331 v. Chr. nach der Schlacht von Gaugamela Alexanders Geliebte und heiratete nach dessen Tod Ptolemaios I, König von Ägypten, womit sie zur Stammmutter der Ptolemäer, eines der mächtigsten Geschlechter des Altertums wurde.
Die berühmteste Hetäre aber war sicherlich Aspasia, die Gefährtin des Perikles. Sie stammte aus Milet und sammelte in Athen einen Kreis von Philosophen um sich, dem auch Sokrates angehörte. Obwohl sie dreißig Jahre jünger war als Perikles, soll sie diesen die Rhetorik gelehrt und ihn zu seinen glänzenden Parlamentsreden inspiriert haben. Perikles heiratete sie dann auch und berief sie schließlich zum beratenden Mitglied in die Unterrichtsverwaltung.
Die Klugheit und Bildung großer Hetären wird in der griechischen Literatur mehrfach erwähnt. Außerdem konnten sie singen und tanzen, sie spielten meist ein oder mehrere Musikinstrumente und beherrschten meisterhaft Anstandsregeln und Konversation, Fertigkeiten, die ihnen – ähnlich wie den japanischen Geishas – in eigenen Schulen vermittelt wurden.
In Athen führte Solon 594 v. Chr. das erste staatlich überwachte Bordell ein. Die Häuser lagen im Hafen- und Töpferviertel, die Dirnen – meist Sklavinnen – wurden von einem Aufseher überwacht. Hauptumschlagplatz für Sklavinnen war neben dem perikoles genannten Markt in Athen die Insel Delos. Dort wurden die Mädchen wie das liebe Vieh angeboten und auch so behandelt. Die Käufer griffen ihnen zwischen die Schenkel, um zu prüfen, ob sie noch Jungfrauen seien, öffneten ihnen den Mund, um die Zähne zu besichtigen und betasteten Brüste und Hinterbacken auf ihre Festigkeit.
Die Spartanerin
Als eine ziemlich exotische und beunruhigende Erscheinung betrachtete der attische Bewohner die Spartanerin, war sie doch das völlige Gegenteil der Frau in Athen. Sie maß sich im Ringkampf mit dem Mann, nackt wie dieser, wobei es durchaus vorkommen konnte, dass sie diesen Zweikampf gewann. Sie verbarg sich nicht demütig im Haus ihres Gatten, ausgeschlossen von öffentlichen Angelegenheiten jeder Art, sondern bewegte sich frei. Sie pflegte voreheliche Beziehungen und betrachtete auch die Ehe keinesfalls immer als absolutes Treuegelöbnis ihrem Ehemann gegenüber. Außerdem galt sie als anerkannte Rechtsperson, war prozess- und eidesfähig und verwaltete ihr eigenes Sippenvermögen.
Wenn die Spartaner unter solch empörenden Umständen wenigstens Memmen gewesen wären, Feiglinge oder „Muttersöhnchen“, ausgeliefert dem gerechten Spott des mannhaften Atheners! Aber dass dem nicht so war, dass der spartanische Krieger vielmehr für seine Tapferkeit berühmt gewesen ist und die spartanische Armee lange Zeit als unbesiegbar galt, raubte dem Bewohner Attikas vollends die Fassung. Natürlich war Sparta keinesfalls ein reines Matriarchat, vielmehr bildeten vaterrechtliche und mutterrechtliche Elemente hier eine Mischform, die in der gesamten Antike einzigartig war.
Die Frau in Rom
Die römische Frau hatte es etwas besser als ihre griechische Geschlechtsgenossin. Sie konnte sich frei bewegen, nahm an Vergnügungen wie Theater- und Zirkusveranstaltungen teil, lagerte bei Gastmählern an der Seite ihres Gatten und durfte auch bei fast allen Staatskulten anwesend sein. Allerdings hat es die relativ freie und selbstbewusste Römerin, wie sie unserem Geschichtsbewusstsein geläufig ist, erst in der späten Republik und in der Kaiserzeit gegeben.
In alter, archaischer Zeit unterschieden sich die restriktiven Maßnahmen gegen Frauen in Rom in nichts von jenen in Athen. Ganz im Gegenteil, die patria potestas, die Gewaltherrschaft des Familienvaters war von beispielloser Härte. Er besaß nicht nur das Züchtigungsrecht, sondern konnte auch über Leben und Tod der Kinder bestimmen. Der Hausvater konnte seine Kinder aussetzen lassen, aber auch in die Sklaverei oder Prostitution verkaufen, er verlobte sie häufig im Kindesalter und verheiratete sie in frühester Jugend, ohne dass diesen selbst irgendeine Entscheidungsfähigkeit eingeräumt wurde. Während jedoch der Sohn mit dem Tod des Familienvaters selbst pater familias werden konnte, unterstand die Tochter zeitlebens einem männlichen Gewaltverhältnis.
Erleichterungen fallen dann in das erste nachchristliche Jahrhundert. So durfte die Tochter nicht mehr an einen Mann verheiratet werden, den sie ausdrücklich ablehnte. Trotzdem war die Gesetzeslage immer noch streng, weshalb Frauen mehr und mehr daran gingen, sich Freiheiten einfach zu nehmen. Vor allem ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten erweiterten sich beträchtlich. So gab es im zweiten nachchristlichen Jahrhundert weibliche Großgrundbesitzer, Bankiers, Fabriksbesitzer, Import- und Exportkaufleute, ja sogar weibliche Schiffsmakler. Zwar wurden die meisten von ihnen nach wie vor von einem geschäftlichen Vormund betreut, doch war die Einsetzung eines solchen vielfach zu einer reinen Formsache geworden. Bald begannen auch die Mittelstandsfrauen, sich finanziell selbständig zu machen. Sie wurden Beamtinnen, Friseurinnen, Kosmetikerinnen, Schreiberinnen und Schneiderinnen. Auch Schauspielerinnen hat es in der römischen Kaiserzeit gegeben. Natürlich haben sich auch in Rom Philosophinnen und Schriftstellerinnen einen Namen gemacht. Vor allem aber zog der Arztberuf, der immer schon eine Domäne der Frau war, auch viele Römerinnen an. Die bedeutendsten Frauen, die über Frauenheilkunde und Geburtshilfe schrieben, waren Kleopatra und Aspasia gewesen, die beide im zweiten nachchristlichen Jahrhundert lebten. Kleopatras Abhandlung „De Geneticis“ galt bis mindestens in sechste Jahrhundert hinein als maßgebliche Fachliteratur. Auch die griechisch-römische Ärztin Aspasia wirkte mit ihren Abhandlungen bis ins Mittelalter hinein.
Die Frau im frühen Christentum
Vorerst unbemerkt von den römischen Machthabern hatte sich eine neue, starke religiöse Bewegung gebildet: das Christentum. Ausgehend von einer kleinen Glaubensgemeinschaft zuerst um Jesus, später um seine Apostel, wurde es zur Weltreligion, deren späterer frauenfeindlicher Charakter ursprünglich von Jesus nicht beabsichtigt war. Denn Jesus liebte die Frauen, so wie er alles in seine umfassende Liebe mit einschloss.
Die jüdische Frau zur Zeit Jesu Christi war weitgehend vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Sie hatte sich in eigenen Frauengemächern aufzuhalten, sie durfte nicht am gemeinsamen Mahl teilnehmen, wenn Gäste eingeladen waren, ja sie durfte nicht einmal die Männer bei Tisch bedienen. Sie war Unperson, schlimmer noch als im klassischen Griechenland. In Palästina waren die jüdischen Frauen und Mädchen nicht nur von der allgemeinen Bildung, sondern auch vom Religionsunterricht ausgeschlossen.
So wie der griechische und römische besaß auch der jüdische Familienvater uneingeschränkte Verfügungsgewalt über seine unmündigen Kinder, die er opfern, verkaufen oder verschenken konnte. Der Übertritt in die Ehe bedeutete für die junge Frau daher meist eine Verbesserung ihrer sozialen Stellung, denn jetzt durfte sie wenigstens nicht mehr verkauft werden. Der Talmud nennt darüber hinaus zehn Ehepflichten des Ehemannes seiner Frau gegenüber unter anderem ihre Verpflegung, Kleidung, ehelicher Verkehr und ärztliche Versorgung. Bei Ehebruch hingegen war der Gatte berechtigt, die Todesstrafe zu verhängen. Nur der Mann, dem im übrigen Vielweiberei erlaubt war, konnte die Ehescheidung einleiten.
Das Verhalten Jesu den Frauen gegenüber, mit denen er sprach, die er berührte, heilte, erschien angesichts einer derart extremen Frauenunterdrückung so ungewöhnlich, dass es sogar seinen Jüngern und Aposteln auffiel: „Darüber kamen seine Jünger und verwunderten sich, dass er mit einer Frau sprach“, heißt es in der Geschichte von der Samariterin. Denn mit einer Frau sprach man nicht. Er aber spricht sogar mit einer Sünderin und rettet eine junge Ehebrecherin vor der Steinigung. Er heilt besessene Frauen und bezeichnet eine Verkrümmte als Tochter Abrahams. Vor allem aber entdeckt er auch in der Frau die unsterbliche Seele, er lehrt sie das Schrifttum und nimmt sie unter seine Jünger auf. Natürlich laufen sie ihm in Scharen zu. In jedem seiner wichtigsten Lebensabschnitte wird Christus von Frauen begleitet. Auch von der Leib- und Sexualfeindlichkeit, wie sie das spätere Christentum auszeichnete, ist zu Lebzeiten Jesu wenig zu spüren. Er scheint im Gegenteil ein sehr natürliches und unverstelltes Verhältnis zur Liebe und Sexualität gehabt zu haben. Auch liebte Jesus Feste, gutes Essen und Wein, was ihn keineswegs als strengen, sich kasteienden Asketen auszeichnet.
Frauen haben in der Gemeinde Jesu Außerordentliches geleistet. Sie folgten ihm in aller Öffentlichkeit, halfen in der Seelsorge, und viele vermögende Frauen unterstützten ihn auch mit Geld. Wahrscheinlich war seine weibliche Anhängerschaft zahlreicher als die männliche.
Die Missionstätigkeit der Christenfrauen wird selbst von Paulus, dessen gebrochenes Verhältnis zu Frauen bekannt ist, entsprechend gerühmt. Dass in der Korinthergemeinde Frauen unverschleiert beim Gottesdienst erschienen, wurde von ihm allerdings sofort übel bemerkt. Und weiter sagt er: „Ich möchte euch zu bedenken geben, dass das Oberhaupt jedes Mannes Christus ist, das Haupt der Frau aber ist der Mann, das Haupt Christi ist Gott.“ (1. Kor. 11,3)
Die Paulus-Zitate, ständig neu ausgelegt und interpretiert, trugen wesentlich zur untergeordneten Stellung der Frau in der Kirche bis zum heutigen Tage bei, und im weiteren Sinn auch zu ihrer untergeordneten Stellung in der Gesellschaft.
Etwa ab dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert sitzen in den christlichen Kirchen die Frauen bereits getrennt von den Männern. Sie unterstehen dem Schweigegebot, das im Mittelalter geradezu absurde Formen annimmt. So extrem dürfte die Situation in der christlichen Urkirche allerdings noch nicht gewesen sein. Denn Frauen wurden hier noch immer mit etlichen Funktionen betraut. So bedurfte man dringend ihrer Fürsorgetätigkeit in der Gemeinde, bei der vor allem Witwen eingesetzt wurden. Ebenso gab es Diakonissen. Sie werden mehrfach in alten Schriften erwähnt.
Eine herausragende Stellung besaß die Frau bei den Quintilianern, eine den Montanisten verwandte christliche Bewegung des zweiten Jahrhunderts n. Chr., bei denen es auch weibliche Bischöfe gab. Auch Prophetinnen werden erwähnt, die vor allem bei den Montanisten eine bedeutende Rolle spielten, wie etwa die berühmten Frauen Priscilla und Maximilla, die beide ihre Ehemänner verlassen hatten, um sich völlig ihren ekstatischen Visionen hinzugeben. Aber auch in der Apostelgeschichte werden vier jungfräuliche Töchter des Evangelisten Philippos erwähnt, die weissagten. Das Alte Testament kennt immerhin sieben Prophetinnen neben 48 Propheten, ein Tatbestand, der den alten Rabbinern Kopfzerbrechen bereitete.
Die Funktionen, die Frauen in der christlichen Urkirche noch eingeräumt wurden, erfuhren in den späteren Jahrhunderten weitgehende Beschränkungen. Schließlich wurde der völlige Ausschluss der Frau vollzogen und selbst der Nonne der Zutritt zum Altarraum und das Berühren geweihter Gefäße und Gegenstände untersagt. Vorarbeit geleistet hatten dabei schon die frühen Kirchenväter wie etwa Tertullian und Origines, deren Frauenverachtung und Frauenfeindlichkeit in vollem Gegensatz zur eigentlichen Botschaft Jesu stand.
Auch Augustinus (352 – 430), der größte Kirchenlehrer des christlichen Altertums, stellt seine Bekehrung nach eigenen Worten als ein Freisein vor allem vom Weibe dar. Er reduziert die Frau auf ihre Funktion als Gebärerin oder Ehefrau.
Thomas von Aquin (1225 – 1274), vom Papst heilig gesprochen, vertritt in Übereinstimmung mit Aristoteles die Ansicht, dass sich das Weib zum Manne wie das Unvollkommene und Defekte zum Vollkommenen verhält.
Angesichts eines derart drückenden Übergewichtes männlicher Kirchenweisheiten musste die Frau kapitulieren. Nachdem ihr Weltbild zerschlagen, ihre Einheit zerbrochen, ihre Identität zerstört worden war, blieb ihr auch gar nichts anderes übrig.