Verschenktexte – 1. Teil

Du wirkst auf mich wie ein Schauspieler,
der seine Rolle perfekt spielen will;
und (fast) alle bewundern dich und applaudieren
und keiner glaubt (dazu spielst du zu überzeugend),
dass auch du Geborgenheit brauchst,
Schwachsein können möchtest
und oftmals einsam bist.
Gehst du denn – nie – von der Bühne?

Ausgerissen

Ohne dass ich es bemerkte,
hat man mir ein Stachelhalsband umgelegt;
wollte ich mich ausleben,
spürte ich die Stacheln – angespitzt –
in meinen Gefühlen und Empfindungen
und in meinem Handlungsspielraum.

Beinahe hätte ich mich erdrosseln lassen –
die Stacheln schmerzten sehr.
– heute habe ich mir einen Seitenschneider gekauft.

Heute traf ich die Sehnsucht
und bat sie,
mich nie zu verlassen,
aber zuweilen milder zu sein
als zuvor.

Danach begegnete ich der Hoffnung
und bat sie,
mich nie zu verlassen.
Sie versprach das,
nicht ohne deutlich zu machen,
dass auch ich sie nie
im Stich lassen darf.

Da bogen
– wie konnte es anders sein –
meine Zweifel um die Ecke,
so dass ich ihnen nicht entgehen
konnte und sie versprachen mir:
wir werden immer miteinander kämpfen.
Möge der Bessere gewinnen!

„Du fällst durch jedes Raster“,
sagst du vorwurfsvoll.
Na und,
wer will schon
in einem Raster
hängenbleiben,
wie Fliegen am Türgitter.

Wenn Löwenzahn
den Asphalt bricht,
weiß ich,
dass die Natur
immer die Stärkere
bleiben wird
– und dass es für
sie ein Leichtes ist,
es mit der Spezies Mensch
aufzunehmen.

An gewisse „Berater“

Ihr sagt mir
– im Brustton der
Überzeugung oder
autoritär gebietend,
zuweilen auch
kopfschüttelndvorwurfsvollbesorgt:
Du musst das grün streichen,
du musst das gelb streichen,
du musst rot,
blau, grau, lila, etc.

Vielen Dank!
Ein solch einfarben
übertünchtes Leben,
wie ihr es führt,
will ich nicht.

Perspektive

Schau jetzt hin, oder schau nach vorn.
Das Leben hält
sich nicht bei Gestern auf.

Leben findet heute statt –
und es gibt stets nur
eine Aufführung pro Tag.
Keine Wiederholungen!

Dann eben
Eiswürfel
im Herzen
und in der Seele

– Hauptsache cool! (?)

Überholte Liebe

Manche „Liebes-Beziehungen“
haben ihr Haltbarkeitsdatum
längst überschritten.

Kein Wunder,
dass so viele Zeitgenossen
sauer geworden sind,
angemodert,
verschimmelt
oder ausgetrocknet
wirken.

Herausforderungen
sind keine Feinde

– sei neugierig
und positiv aufgeregt
ob ihrer,
anstatt der
Unsicherheit
und Ungewissheit
wieder einmal
zu gestatten,
dir den Hals
zuzuschnüren.

Rollentausch

Unsicherheiten,
Ängsten und Zweifeln
gefiel die Hauptrolle
in meinem Leben,
die ab sofort
jedoch
ich wieder
übernehme.

Ich scheine mir doch
die bessere Besetzung
zu sein!

Durchhänger

Du suchst einen
Menschen,
den du „haben“ kannst,
den du in dein Leben
hängen kannst
wie ein Bild
an eine Zimmerwand.

Tut mir leid,
an diesen Haken
bekommst du mich nicht.
Ich lass mich doch nicht hängen!

Viele sind beruflich erfolgreich,
gesellschaftlich erfolgreich,
sie sind erfolgreich altersversorgt
und weiterhin: sowieso
auf Erfolgskurs.

Und doch sind sie
Bankrotteure
in Sachen Gefühl.

Eigenverantwortlichkeit

Ich muss mich befreien
von Blockaden im Denken,
Blockaden im Handeln,
Blockaden im Fühlen,

ich muss überholte
und schädliche Muster
im Verhalten und
Reagieren auflösen
und durch neue ersetzen –

denn im wesentlichen bin ich
allein mein Sklaventreiber!

Eine neue Liebe

In meinen Tagebüchern
könnte ich dich lesen lassen,
und du würdest viel
über mich erfahren –

doch was du
über mich suchst,
gibt es nicht:
weder Gebrauchsanleitung
noch Service-Heftchen.

Knapp vorbei ist voll daneben

Wir belasten uns
mit dem,
was war, und denken,
was werden wird.

Über all dem
lassen wir
uns kaum Raum,
die Gegenwart wahrzunehmen

– DAS, WAS IST!

Vertrauen zu dir

Ich habe mühsam
gelernt,
zu vertrauen,

doch ab und zu
schaffe ich es dennoch,
allerhand Zweifel
aus irgendeiner Gedankenschublade,
dem einen oder anderen Sorgendepot
hervorzukramen

und gebe eine
brillante Kür
an Zweifelseinlagen.

Selbstvertrauen

Gegen meinen Zweifelspöbel
stieg ich in den Ring
und siegte –
fortan reise ich
– was Zweifel betrifft –
mit leichtem Gepäck.

Stärker werden
durch Ausprobieren

Erst nach
dem Ausprobieren
kannst du
angenommene
von tatsächlichen
Hilflosigkeiten
unterscheiden

und wirst erstaunt
festgestellt haben,
was du
alles kannst.

Trost

Sorgen,
Schmerzen,
Trauer,
Angst,
Niedergeschlagenheit

sind immer
nur auf
der Durchreise!

„Ich kann nicht!“
„Ich weiß nicht.“
„Ob ich das schaffe?“
„Das gelingt mir nie.“

LAUFSTEG FREI
FÜR MEINEN MUT

Denkkreise durchbrechen.
Selbstverständlichkeiten in Frage stellen.
Strukturen aufbrechen –

sich selbst mal
– zögernd –
in der Ecke stehenlassen
und neu losgehen.

DIE MUTANFÄLLE HÄUFEN SICH
UND HOFFNUNG BRICHT AUS.

Nach einer Trennung

Vertrauen
konnte nicht
entstehen,
da du
im wesentlichen
abwesend,
auch wenn du
anwesend warst.