Verschenktexte – 3. Teil
Ein gutes Wort,
eine nette Geste …
… ein Schritt
weiter ins helle Feld der
Menschlichkeit.
Einmal auseinandersetzen im ruhigen Gespräch.
nicht einander zusetzen im Streit …
… ein Takt mehr
in die Friedensmelodie.
Einmal etwas mehr geben,
ein wenig verzichten …
… ein Licht mehr
in die dunklen Gerechtigkeitsecken.
Einmal mehr versuchen,
zu verstehen …
… ein Grad plus
weiter fort vom
Gefrierpunkt des Lebensthermometers.
Einmal mit offenen Augen
durch die Welt gehen,
sehen, dass es noch andere
und anderes gibt.
UND DU SAGST, DU KANNST NICHTS TUN!
Liebesgedicht
Ich will den Himmel
nicht von dir
und die Sterne von dort
schon gar nicht.
Sie gehören nicht dir.
Und nicht mir.
Ich will keine Artigkeiten
und schöne Worte,
wenn sie nicht echt sind.
Und sag mir, was soll ich
mit deiner hübschen,
sorgfältig hergerichteten
Fassade, wenn sie doch
nicht hält.
Ich will DICH,
wie du wirklich bist.
UND DAS IST VIEL!!!

Verkleidung
Wenn wir unsere Körper verhüllen,
damit wir nicht frieren,
kann ich das verstehen.
Warum aber verhüllen wir unsere Gefühle,
auch wenn wir spüren,
dass es dadurch kälter wird?
Sozialisation
oder
ich hätte dich gerne umarmt
Legt man
frühzeitig
die Saat
von Unsicherheit
und Hemmungen
im Menschen aus,
bedarf es
später
keiner Fesseln,
ihm die Hände zu binden.
Im Gegenteil
Sie sehen meine Kleidung.
Sie sehen meine Haare.
Sie sehen meine Wohnung.
Und sie bilden sich
ein URTEIL
beVOR
sie einen Blick
in mich geworfen haben.
Ein solches Urteil zwingt
mich zu lächeln,
nicht in die Knie.
Du sitzt hier rum, Junge
– schaust auf das Treiben.
Bist du einsam?
Fragst dich, warum setzt sich niemand zu mir,
spricht mich niemand an?
Wenn du nicht allein bleiben willst,
müßtest du wohl zuerst
das STOP-Schild aus deinem Gesicht nehmen.

Seit ich die Grenzen,
die man mir setzte,
nicht mehr anerkenne,
nicht mehr als Grenze erlebe,
spüre ich erst, wie stark ich bin.
…wie grenzenlos ich sein kann.
Wir machen uns oft ‚unerreichbar‘
mit dem Mäntelchen der Überheblichkeit,
dem Hut der Arroganz
und den schicken ‚Cool‘-Stiefeln.
… und fragen dann, warum wir einsam sind.

Manchmal fühle ich mich wie ein Baum,
von dem fast alle Blätter gefallen sind.
Aber jetzt macht es mir keine Angst mehr,
weiß ich doch,
um meine Kraft,
neue Blätter zu treiben.
Wenn für mich alle Kerzen des Mutes verlöschen,
sehe ich mich um nach jemandem,
der mir ein Streichholz gibt,
um ein Hoffnungslicht
– wenigstens –
wieder entzünden zu können.
Am Alten festzuhalten,
benutzen wir manchmal
unsere ganze Kraft
und beide Hände.
Wir brauchen aber
unsere Hände für die Gegenwart
und müssen früher oder später
die Vergangenheit loslassen,
wollen wir nicht unsere Zukunft
aufs Spiel setzen.
Am Leben wirklich teilnehmen
Dein Innenleben ist bunt.
Du malst aus Träumen und Wünschen
farbenfrohe Bilder.
Doch zur Zeit ist Deine Wirklichkeit
und du spürst,
dass diese Bilder nicht dein Leben sind.
Jedes Bild ist so bunt wie die Farben,
an die sich sein Maler wagt.

Sich selbst im Weg
Es gibt Stunden, Tage,
da stehst du dir selbst im Weg
wie eine Schranke.
Doch du gehst nicht beiseite,
nicht einen Schritt,
um dich durchzulassen
weil du nicht siehst,
dass du selbst die Schranke bist,
die dir Einhalt gebietet.
Zu häufig suchen wir woanders
nach den Wegversperrern.
Tu was
Du kommst nirgendwo an,
wenn du nicht los gehst.
Dir öffnet sich keine Tür,
wenn du nicht anklopfst
– wenn du auch tausend mal
davon sprichst.
Tu was!
Unterschiedliche Ansätze
Der Pessimist:
„Was für ein Leben …“
Der Genießer:
„Was für ein Leben !!“
Die Ahnungslosen:
„Was für ein Leben ?“
Auf dem Friedhof
sehe ich Gräber,
schön gepflegt
mit Blumen und Sträuchern.
Laßt mein Grab verwildern
und gebt mir zu
Lebzeiten die Blumen.

An einen den ich mag
Du bist für mich eine Blume,
die ich betrachten möchte
– ganz nah –
Eine Blume, an deren Duft ich mich
– zuweilen –
auch berauschen möchte.
Doch ich will dich nicht brechen,
nicht in eine Vase stellen,
denn du wächst
nicht
in meinem Garten.
Gewachsen
Jede Kritik,
egal von welcher Seite,
aber Kritik an mir,
zerfraß mir einst
das Selbstvertrauen
wie Säure den Stein.
Heute weiß ich,
ich kann und möchte
gar nicht jedem gefallen
und ich werde immun
gegen die Säure.
Von deinen Möglichkeiten
Dir gehört
ein ganzer Kasten
mit zwölf verschiedenen Wasserfarben;
doch wenn du das Wasser fürchtest,
nützen dir die Farben wenig –
dein Leben bleibt trocken
und dein Blatt leer.
WAG DEN SPRUNG INS WASSER!
Zugfahrt
Manchmal ist das Leben
wie eine Zugfahrt:
Du schaust aus dem Fenster,
möchtest den Duft der Wälder aufnehmen,
die Blumen pflücken,
die an dir vorbeifliegen.
Doch du sitzt im Zug.
Wenn du so fühlst,
solltest du
an der nächsten Haltestelle aussteigen,
auch wenn deine Fahrkarte
auf ein anderes Ziel lautet.

Du weißt schon, wen ich meine
Als eine schillernde Kugel,
die Versprechen in sich trägt,
begegnetest du mir –
und ich berührte dich.
Von der Vielfalt deiner Farben fasziniert,
bemerkte ich nicht
die Distanz,
die du wahrtest.
Gerade als ich dir
mein Vertrauen schenken wollte,
bis du zerplatzt.
Ade, liebe Seifenblase.
Abseits der Eitelkeiten
-fallen die Fassaden
-werden Masken abgenommen
-zählen Statussymbole nichts
-können wir Beachtung nicht kaufen
-kommen wir uns wieder näher.
Abseits der Eitelkeiten
wärmt uns das Feuer
der Mitmenschlichkeit.
Erster Schritt oder Erkenntnis
Ich habe etwas
aus mir machen lassen,
habe den Leuten
sogar die Kelle gereicht,
den Mörtel mit angerührt,
die Steine geschleppt,
mit denen ich bis heute
zugemauert war.
Lebensangst
Wenn du gestern
schon gebangt hast,
das Heute nicht gut
zu überstehen …
dann lebst du
auch heute nicht mehr,
weil du
schon um morgen fürchtest.